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TRADITION SEIT 350 JAHREN

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Hufgeklapper, das Fauchen von erhitztem Metall, wenn es in Wasser getaucht wird, der Dampf von Holzkohlefeuer und die lauten Schläge eines Schmiedehammers auf den Amboss – vor 350 Jahren gehörten diese Geräusche und Gerüche zum Alltag in Beerfelden. Einer machte sie: Der »maréchal«, der Hufschmied. Heute sind es gewaltige LKW mit großen Anhängern, Kräne und Unimogs, die durch die Straßen ziehen und zu einem wollen: Zur Firma Baumgärtner.

Was beide – der »maréchal« und der Baumgärtner, der Schmied und der Kfz-Mechaniker – gemeinsam haben? Ganz einfach: Seit 350 Jahren hat sich nur der Name geändert, die Firma und das Handwerk aber sind fast die gleichen geblieben, haben sich nur dem Lauf der Zeit angepasst. Wo im 17. Jahrhundert Pferde beschlagen wurden, werden später Landmaschinen und heute Laster und Unimogs repariert.

Der alte Schmiedebetrieb ist seit dem 17. Jahrhundert schriftlich belegt, Kirchenbücher vom Ende des Dreißigjährigen Krieges beweisen es. Schon damals war das Schmiedehandwerk in Beerfelden fest in der Hand der Familie Paulus. Und noch immer ist der alteingesessene Betrieb ein Familienunternehmen. Erst 1962 änderte sich der Namen, erst als Heinrich Baumgärtner das Geschäft von Wilhelm Paulus übernahm. Für Wilhelm Paulus war die Abgabe des Namens keine schwierige Entscheidung, schließlich hatte Heinrich Baumgärtner bei ihm das Schmiedehandwerk von Grund auf gelernt – er legte die Familientradition in gute und erfahrene Hände.

AUFBRUCH IN NEUE ZEITEN

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Baumgärtner bewies Weitsicht, statt der Herstellung von Eisenreifen und dem Schärfen von Beil und Meißel übernahm er bald neue Aufgaben. Denn in der Landwirtschaft hielt die Mechanisierung Einzug – wo früher Pferde den Wagen zogen, standen nun Schleppermaschinen auf dem Hof. Heinrich Baumgärtner ging seinen alten Kunden auch in der neuen Zeit zur Hand, bildete sich auf Lehrgängen weiter, übernimmt sogar seit 1964 die Verantwortung einer Unimog Service Station.

Bis heute hat sich die Firma Baumgärtner stetig weiterentwickelt und ist zur ersten Adresse im Odenwald für Unimog-Fahrer und LKW-Lenker geworden. Seit 1994 sind die Baumgärtners zuverlässiger Servicepartner der Firma Scania; Reparaturen, Bremsendienst, Tachoüberprüfungen und vieles mehr gehören zum professionellen Alltag dieser Handwerkerfamilie.

Und warum selbst die Baumgärtners noch in unseren Tagen als »maréchal« bezeichnet werden? Daran ist Napoleon schuld. Zwischen 1812-14 schlugen die Franzosen ihr Lager außerhalb von Beerfelden auf. Mit ihren Pferden zogen sie in die Stadt, machten sich auf die Suche nach einem fähigen Hofschmied, eben einem »maréchal«. Rasch übernahmen die Beerfelder Bürger diese Bezeichnung, nannten die Mitglieder der Familie Paulus und nun auch die der Familie Baumgärtner stets beim neuen Beinamen. So lebt alte Tradition bis heute fort. Auch wenn der ursprüngliche Standort im Ortskern und im ehemaligen Hotel »Zum Schwanen« längst aufgegeben wurde und seit 1989 in der Dieselstraße in modernen Hallen geschraubt und gebogen, installiert und repariert wird.